10 wirtschaft economy be machen Energiekosten mittlerweile schon mehr als zehn Prozent der Pro- duktionskosten aus (2020 lag der Wert bei einem Fünftel). Bei 14 Prozent der Befragten entsprechen sie sogar über 20 Prozent. Strom wurde von 94 Pro- zent als der in ihrem Betrieb am meis- ten eingesetzte Energieträger bezeich- net, gefolgt von Erdgas (76 Prozent), Heizöl (21 Prozent) und Biomasse (11 Prozent). Bei 28 Prozent der Unterneh- men beträgt der Anteil der erneuerba- ren Energie über 50 Prozent. Bei einem Drittel (32 Prozent) entspricht er weni- ger als zehn Prozent. Ein gutes Drittel (38 Prozent) derjeni- gen, die derzeit Erdgas als wichtigsten Energieträger in ihrem Unternehmen nennen, halten mehrheitlich Strom, ge- folgt von Biomasse, Wasserstoff und Biomethan für alternative Optionen. 62 Prozent sehen keine Möglichkeit, von Erdgas auf andere Energieträger umzusteigen. Was, wenn die Versorgung mit Gas ausfallen würde? 44 Prozent könnten die Produktion nicht aufrecht- erhalten, 14 Prozent wenige Stunden bis 2 Tage. 42 Prozent würden dies länger als zwei Tage schaffen. Was hält Betrie- be davon ab, auf Alternativen zu Erdgas umzusteigen? Die überwiegende Mehr- heit (81 Prozent) sieht hohe Investitions- kosten als größte Hürde. Aber auch lau- fende Kosten (52 Prozent), Kesseltausch (33,3 Prozent) und Anlagengenehmi- gung (25 Prozent) werden als Hemm- schuhe bezeichnet. Ziellos zur Klimaneutralität Während 12 Prozent der Umfrageteilneh- mer der Ehrgeiz gepackt hat, bereits vor 2040 klimaneutral zu sein, peilen 48 Pro- zent das österreichische Ziel der Klimaneu- tralität 2040 bzw. das EU-Ziel 2050 an. Ganze 40 Prozent der Betriebe haben keine diesbezüglichen Ziele definiert. Für knapp die Hälfte der Befragten (49 Pro- zent) führen die hohen Energiekosten dazu, Investitionen in Klimaschutz und Dekar- bonisierung zurückzustellen, ebenso wie Investitionen in das Kerngeschäft (50 Pro- zent). Ein Drittel (34 Prozent) wiederum nimmt die Situation zum Anlass, Investi- tionen in Energieeinsparung und -effizienz vorzuziehen. Standort Österreich in Gefahr Als alarmierend zu werten ist die Aus- sage von mehr als der Hälfte der Unter- nehmen (59 Prozent), dass sie aufgrund der hohen Energiekosten Produktions- einschränkungen am Standort in Ös- terreich planen. Produktionsaufträge an ausländische Standorte auszulagern planen 74 Prozent. Den Produktions- standort ganz ins Ausland zu verlagern ist für 78 Prozent eine denkbare Mög- lichkeit. Die zum Zeitpunkt der Umfrage im Raum gestandene Einführung eines gestützten Industriestroms in Deutsch- land deuten 74 Prozent der Befragten als einen „problematischen oder sehr problematischen“ Wettbewerbsnach- teil. Dementsprechend hoch ist der Wunsch nach einer solchen Beihilfe auch für ihr Unternehmen: Gut vier Fünftel (83 Prozent) der Befragten se- hen das Industriestrompreismodell als eine wirksame Entlastung und Unter- stützung für die Energiewende und In- dustrietransformation. Zwei Drittel bis knapp die Hälfte der Befragten halten weitere kostendämpfende Maßnahmen wie eine alternative Finanzierung der Netzentgelte, ein geringerer Erneuerba- ren-Förderbetrag und niedrigere Ener- gieabgaben, gefolgt von Eingriffen in die Merit-Order der Strompreisbildung, für wünschenswert. Beihilfe muss für Dekarbonisierung verwendet werden Mittlerweile hat die EU-Kommission die befristete Strompreisermäßigung nicht nur unseren deutschen Nachbarn, sondern auch Slowenien und Bulgarien genehmigt. In Österreich soll gestützter Industrie- strom ab 1. Jänner 2027 für energieinten- sive, exportorientierte Unternehmen, die in direkter Konkurrenz zu Deutschland stehen, kommen – allerdings hat der Le- bensmittelsektor bis dato keinen Eingang in die heimische Industriestrategie 2035 gefunden und gilt nicht als energieintensiv (siehe Positionspapier). Der EU-Beihilferahmen (Clean Industri- al Deal State Aid Framework), der den ERNÄHRUNG | NUTRITION volume 50 | 03/04. 2026 günstigen Industriestrom ermöglicht, ist 2025 in Kraft getreten und soll eine Ver- lagerung von stark stromabhängigen, exponierten Industriezweigen an Stand- orte außerhalb Europas verhindern. Mit der auf drei Jahre befristeten Unterstüt- zung will man außerdem erreichen, dass Unternehmen die Elektrifizierung vor- antreiben und das Ziel der Klimaneut- ralität nicht aus den Augen verlieren. Den günstigen Industriestrom können Unternehmen ausgewählter Branchen für 50 Prozent ihres Verbrauchs be- ziehen. Bewilligt werden kann ein Ab- schlag von maximal 50 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Großhan- delspreises, dieser darf mit der Beihilfe nicht unter 50 Euro pro Megawattstun- den sinken. 50 Prozent des erhaltenen Betrags müssen in Maßnahmen zur De- karbonisierung fließen. Die Ermäßigung gilt unabhängig davon, ob der Strom aus Eigenerzeugung bezogen wird, via Stromlieferungsverträge oder über das Netz. Mag. Sylvie Maier-Kubala, freie Journalistin, Wien Industrie weiter unter Strom — Die heimische Industrie setzt auf Erdgas (33,3 Prozent), gefolgt von Strom (29,3 Prozent) und bioge- nen Energieträgern (20,3 Prozent). Strom spielt mit einem Anteil von 38,7 Prozent oder 24 TWh am Ge- samtstromverbrauch (2023) schon jetzt eine besonders große Rolle. Durch die zunehmende Elektrifi- zierung wird der Strombedarf in den kommenden zwanzig Jahren weltweit weiter deutlich steigen, weil fossiles Öl und Gas und weni- ger effiziente Energieträger ersetzt werden müssen. Für die Herstel- lung von klimaneutralen Gasen, etwa grünem Wasserstoff, für hohe Prozesstemperaturen und stoffliche Nutzung wird künftig ebenfalls mehr Strom benötigt werden.