8 wirtschaft economy zusetzen, wo wir konkrete Wirkung er- zielen können. Wir investieren gezielt in energie- und ressourceneffiziente Tech- nologien, wie etwa das Pionierprojekt Optibake, ein Induktionsofen-System, das seit letztem Jahr im Einsatz ist und einen messbaren Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs und des CO2-Fuß- abdrucks in der Produktion leistet. Solche Investitionen zeigen, dass Nachhaltigkeit für uns nicht abstrakt ist, sondern sich in konkreten Entscheidungen im Werk widerspiegelt. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch Verantwortung gegenüber den Menschen und der Region, in der wir tätig sind. Am Standort Heinfels setzen wir bewusst auf sichere Arbeitsplätze, Arbeitssicherheit, Qualifikation und Entwicklung, aber auch auf Integration und regionale Ver- bundenheit. Ein Beispiel dafür ist unser Baumfest, bei dem wir gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie lokalen Partnern Bäume in geschädigten Waldflächen pflanzen. Gerade in einer Re- gion, deren Wälder stark unter Klimafol- gen und Schädlingsbefall leiden, verstehen wir das als kleinen, aber konkreten Beitrag zur ökologischen Erneuerung und zur Be- wusstseinsbildung vor Ort. Nicht zuletzt hat Loacker durch die Bele- bung und Sanierung der historischen Burg- anlage Heinfels auch einen Beitrag zur kul- turellen und touristischen Attraktivität der Region geleistet. Unser Ansatz ist dabei klar: Wir verbinden ökologische Maßnahmen, soziale Ver- antwortung und industrielle Leistungsfä- higkeit. Nur wenn Mensch, Umwelt und Wirtschaft gemeinsam gedacht werden, kann Nachhaltigkeit langfristig wirken – und genau diesen Weg gehen wir am Standort Heinfels konsequent weiter. Wie sehen Sie den Standort Österreich allgemein – welche Vor- und welche Nachteile gibt es? Tinneke Gies: Österreich bietet als Industriestandort nach wie vor wichtige Stärken: gut ausgebildete Mitarbeiterin- nen und Mitarbeiter, hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowie eine ver- lässliche Infrastruktur. Diese Faktoren sind für einen Produktionsstandort wie Heinfels ein klarer Vorteil. Gleichzeitig hat Österreich in den ver- gangenen Jahren an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren. Ein we- sentlicher Grund dafür sind die stark gestiegenen Lohn- und insbesondere Lohnnebenkosten, die die Kostenbasis der Industrie deutlich erhöhen. Aus mei- ner Sicht ist eine Entlastung des Faktors Arbeit über eine Senkung der Lohnne- benkosten essenziell, um den Indust- rie-Standort Österreich zu stärken und Beschäftigung langfristig abzusichern. Für uns als Produktionsstandort ist da- bei wichtig zu betonen: Es geht nicht um niedrigere Löhne und nicht um den Abbau von Arbeitsplätzen. Im Gegenteil – wir stehen zu fairen Löhnen und zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbei- tern. Eine Senkung von Lohnnebenkos- ten würde helfen, Investitionsspielräume zu schaffen, Beschäftigung zu sichern und die internationale Wettbewerbsfä- higkeit zu erhalten, ohne den Sozialstaat in Frage zu stellen. Unser Weg ist daher klar: Wir setzen auf Produktivitätssteigerung, Digitalisierung und Qualifikation, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten. Ziel ist es, Arbeitsplätze in Österreich zu sichern, Wertschöpfung im Land zu halten und gleichzeitig die Voraussetzungen für wei- teres Wachstum zu schaffen. Was würden Sie sich für Ihr Unterneh- men speziell und für die Lebensmittel- industrie generell von der Bundesregie- rung wünschen? Tinneke Gies: Wir wünschen uns von der Bundesregierung vor allem ein klares und langfristiges Bekenntnis zum Produktionsstandort Österreich. Dazu gehören planbare und verlässliche Rah- menbedingungen, damit Unternehmen Investitions- und Standortentscheidun- gen nicht von Jahr zu Jahr neu hinterfra- gen müssen. Ein zentraler Punkt ist aus unserer Sicht die Entlastung des Faktors Arbeit, insbe- sondere durch eine Senkung der Lohn- nebenkosten. Es geht dabei ausdrücklich nicht um niedrigere Löhne, sondern darum, die Gesamtkosten von Beschäf- tigung wieder in ein besseres Verhältnis zur Produktivität zu bringen. Das würde Investitionen erleichtern, Beschäftigung absichern und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärken – gerade auch in peripheren Regionen wie Osttirol. Darüber hinaus braucht es wettbewerbs- fähige Energiepreise, einen spürbaren Abbau von Bürokratie sowie gezielte Maßnahmen, um Arbeits- und Fach- kräfte zu gewinnen und zu integrieren. Themen wie Wohnraum, Qualifizierung und eine praxisnahe Zuwanderungspoli- tik sind dabei entscheidend, wenn indus- trielle Wertschöpfung im Land gehalten werden soll. Für uns als Produktionsstandort ist da- bei eines klar: Wir wollen Arbeitsplät- ze sichern und weiterentwickeln, nicht abbauen. Wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam daran arbeiten, Leistung, Produktivität und Standortbedingungen wieder stärker in Einklang zu bringen, kann Österreich auch künftig ein attrak- tiver Standort für produzierende Unter- nehmen und eine starke Lebensmittelin- dustrie bleiben. Was würden Sie sich von der sprich- wörtlichen Guten Fee wünschen? Tinneke Gies: Ich würde mir wün- schen, dass wir in Europa unsere ge- meinsame Stärke wieder stärker in den Mittelpunkt stellen. Als Belgierin bin ich überzeugte Europäerin: Unsere Stärke liegt darin, gemeinsam zu handeln und uns nicht auseinanderdividieren zu lassen. Gerade in einer globalisierten Welt liegt enormes Potenzial darin, den europä- ischen Binnenmarkt weiter zu vollen- den, bestehende Hürden abzubauen und Unternehmen wie auch Arbeitnehmern echte Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Ein stärker integrierter europäischer Ka- pitalmarkt kann zusätzlich Investitionen erleichtern und Innovation schneller in die Umsetzung bringen – gerade auch für Industrie und Mittelstand. Gleichzeitig braucht Europa mehr ge- meinsame Handlungsfähigkeit, etwa bei Sicherheit und Verteidigung. Eine engere europäische Verteidigungszusammenar- beit stärkt nicht nur die Sicherheit, son- dern auch die wirtschaftliche Resilienz unseres Kontinents. Wenn man es auf einen positiven Nen- ner bringen will: ich wünsche mir Zu- sammenarbeit, Offenheit und gemein- same europäische Stärke. Wenn wir das leben, hat Europa die Kraft, auch künf- tig erfolgreich zu sein – für unsere Re- gionen, unsere Unternehmen und kom- mende Generationen. Was ist Ihr Lieblingsessen? Tinneke Gies: Unsere Loacker Gar- dena Coconut-Waffeln! ERNÄHRUNG | NUTRITION volume 50 | 02. 2026